• Ophelia

Ungewohnte Szene am Sonntag in Karlsruhe


Schon vom Bundesverfassungsgericht an, hat man vergangenen Sonntagmittag Musik, Stimmengewirr, Applaus gehört. Beim Schloss angekommen, wich die besorgte Unruhe aufgeregter Begeisterung. Zahlreiche Menschen standen um zwei Musiker mit Verstärker, Standmikrofonen und zwei Gitarren. Die meisten der Menschen hielten ausreichend Abstand. Einer der Musiker wies mehrmals darauf hin, dies weiterhin zu tun.

Eine kleines Mädchen huschte zum Gitarrenkoffer und warf ein paar Münzen zu weiterem Kleingeld und Scheinen, sowie CDs mit dem Namen der Band. Die Sonne spiegelte sich in den Gitarren, Picknickdecken wurden ausgebreitet, immer mehr Menschen blieben stehen.

„Zimmer mit Musik“ spielen nach eigener Aussage oft beim Schloss. Grundsätzlich ohne Genehmigung, das ist bei Straßenmusik aber normal. Problematisch werde es manchmal durch die Verstärker und wie dies während Corona behandelt wird, wüssten sie noch nicht.

Immer wieder fuhren im Schritttempo Polizeiwägen vorbei. Immer wieder forderten die Musiker die Zuschauer auf, den Polizisten zu danken, dass sie die Szene nicht unterbrachen. Junge Paare, die aneinander lehnten, Familien neben Fahrrädern, Freundespaare, die auf ihren Handys filmten, applaudierten. Die gleiche Begeisterung war nach jedem Song zu hören.

Keine halbe Stunde später wurde die Szene durch die Polizei aufgelöst. Einige Anrufer hatten sich über eine Menschenansammlung beschwert. Einer der beiden Musiker hatte mit den Polizisten gesprochen, während der andere versucht hatte, Fragen der Zuschauer zu beantworten.

Eine ältere Dame mit gelbem Barret hatte betont, wie sehr ihr die Musik fehle. Sie hatte angeboten, falls es zu einer Strafgebühr käme, einen Beitrag zu leisten. „Das hat so gut getan“, hatte sie die Meinung vieler anderer zusammengefasst. Weitere Menschen waren hinzu gekommen und hatten bestätigt, wie wertvoll dieses Erlebnis für sie sei. Ein Mann mittleren Alters hatte bemerkt, dass die Musik jedoch dazu beigetragen hatte, dass nun sehr viele Menschen an einem Ort versammelt waren und dies noch immer ein Problem ist.

Derjenige, der mit den Polizisten gesprochen hatte, erklärte nun, dass die diese ihnen noch einen weiteren Song gewährt hatten, dann sollten sie ihre Instrumente und Verstärker zusammenpacken. Mit „Nothing Else Matters“ verabschiedeten sich Zimmer mit Musik von der Menge.

Im Gespräch danach zeigten sie Dankbarkeit für die Möglichkeit, überhaupt mal wieder spielen zu können. Auch hätte sich der Tag für sie gelohnt, da viele Menschen etwas gespendet hatten. Natürlich war ihnen das Risiko einer Strafgebühr bewusst gewesen und ein bisschen wollten sie, teilten sie anschließend mit, auch ein Statement setzen. „Während beispielsweise die Bundesliga weiterspielt, werden der Kultur zum Großteil Auflagen gesetzt, die eine Weiterarbeit unmöglich machen. Zum Teil empfinden wir diese als rücksichtslos“, erklärten sie. Trotzdem könnten sie das Handeln der Polizei verstehen. Sie hätte respektvoll mit ihnen geredet und eingewilligt, keine Strafe aufzuerlegen. Die Polizei selbst meinte, sie verstünde den Ärger der Leute, wüsste aber nicht, wie sie anders handeln sollte. Bei der Menge an Menschen sei es schwer, zu kontrollieren, wie viele Menschen aus mehr als zwei Haushalten kommen. Mit einer Genehmigung wäre es vielleicht etwas anderes gewesen, allerdings läge hier die Frage, wie mit anderen Kulturvereinen umgegangen werden solle. Es wäre dann schwer zu erklären, warum Straßenmusik erlaubt ist, Open-Air-Konzerte aber nicht.

In jedem Fall ist ein Bedarf an Musik da: „Wir wären das Risiko nicht eingegangen, wäre es uns nicht wichtig“, schließen Zimmer mit Musik ab.




8 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Hinter der Bühne

Wenn die Leidenschaft von der Bühne auf die Besucher übergeht

Was Menschen in Kulturvereinen bewegt Ein Protokoll mit Gerald Rouvinez-Heymel, Geschäftsführer des Substages und Vereinsgründer des Kulturrings Momentan befinden wir uns alle in der selben Situation,

Schreibt mir gerne unter

opheliamusikblog@gmail.com

  • Grey Instagram Icon

© 2020 Sofie Woldrich. Erstellt mit Wix.com