• Ophelia

Wenn die Leidenschaft von der Bühne auf die Besucher übergeht

Was Menschen in Kulturvereinen bewegt

Ein Protokoll mit Gerald Rouvinez-Heymel, Geschäftsführer des Substages und Vereinsgründer des Kulturrings


Momentan befinden wir uns alle in der selben Situation, egal ob jetzt wir, das Tollhaus oder das Theater. Es gibt nicht viel, was wir gerade machen können. Daher kam die Idee, alle zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Das Festival Toujours Kultur! haben wir innerhalb von drei Wochen organisiert.

Vor dreißig Jahren gründete ich den Verein Kulturring. Unsere Hauptaufgabe ist eigentlich Lobbyarbeit, aber auch Probleme untereinander können wir dank ihm schneller klären. Letzten Endes sind wir alle Konkurrenten und so ein großes Projekt wäre ohne den Verein auf die Weise nicht möglich.


Bis vor Kurzem dachte ich, im Oktober müssten wir Insolvenz anmelden. Jetzt habe ich nochmal nachgerechnet und es reicht bis Anfang 2021. Das Konjunkturpaket hilft. Ebenso der Spendenaufruf. Als ich gesehen habe, wie viel dabei zusammen kam, hatte ich echt Gänsehaut. Die Solidarität der Fans hat mir in den letzten Wochen sehr viel Zuversicht gegeben. Manchmal bin ich nach einem Konzert draußen unterwegs, sitze in der Bahn oder laufe durch die Stadt und höre zufällig, wie sich Leute an dieses Konzert erinnern.

Wenn ich mir wünschen dürfte, welche Band bei uns spielt wäre das Archive oder die französische Band Ange. Am Ende hängt das natürlich davon ab, wen unsere Besucher hören möchten. Kultur und Menschen kann man für mich nicht voneinader trennen. Es geht um mehr als nur Musik. Es geht um Austausch und Begegnungen. Und um Erinnerungen. Das sind kleine Liebesgeschichten, die da geschrieben werden. Wenn diese Leidenschaft von der Bühne auf die Besucher übergeht und ich daneben stehe und das beobachte, weiß ich, dass ich das Richtige tue.


Die Kulturarbeit begeistert mich aber am meisten, weil sie solch eine Vielfalt mit sich bringt. Mit Menschen zu tun haben, gemeinsam für etwas brennen, Projekte erschaffen, so wie jetzt. Das ist super anstrengend, aber auch unheimlich bewegend.

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