• Ophelia

Ab und zu eine Message und sehr viel Humor

Aktualisiert: 15. Sept 2020



OPHELIA: Wie kam es zu der Idee?

ALEX: Deniz und Dave haben früher in einer anderen Band zusammen gespielt. Da ist Deniz raus und ich habe ihn gefragt, ob wir ein bisschen zu dritt, ein bisschen Punk, spielen wollen und da war Dave die logische Schlussfolgerung. Wir haben recht schnell die erste EP aufgenommen. Das hat einfach den Vorteil gehabt, dass wir von anderen Bands schon Erfahrung hatten und viele Fehler, die wir früher gemacht haben, umgehen konnten.

OPHELIA: Wer von euch schreibt die Texte?

DENIZ: Unterschiedlich. Zum Teil ich, zum Teil Alex. Dave macht man manchmal ein paar „Wohou“s rein.

OPHELIA: Was hat es mit eurem Namen auf sich?

DENIZ: Das ist ein Akronym für „Sehr okay Kumpels aller Eltern“. Nein, in Wahrheit hat es eigentlich gar keine Bedeutung. Wir sagen jedes Mal was anderes, weil die Frage echt oft kommt. Ich weiß eigentlich nicht, was wir uns gedacht haben. Es klingt cool, klingt punkig. Und es gab die Internetseite noch. Vorher wollten wir uns „Die Brausetabletten“ nennen, damit wir sagen können, wir lösen uns wieder auf, aber das fand Dave nicht so cool.

OPHELIA: Ihr nehmt euch ja nicht so richtig ernst, habt aber gleichzeitig sehr viel kritische Themen in euren Liedern wie zum Beispiel Rassismus oder Datenschutz. Wie verträgt sich das?

ALEX: Also ich glaube, wir haben alle unsere Meinungen zu politischen Themen, aber trotzdem sind wir selber nicht so ernste Typen. Wir machen oft Späße. So komplett engstirnig sind wir nicht.

DENIZ: Es soll ja auch Spaß machen.

DAVE: Und vor allem wollen wir authentisch sein. Und wenn wir total ernste, politische Lieder machen würden, wäre es ab einem Punkt vielleicht auch nicht mehr ganz authentisch.

OPHELIA: Was sind eure eigenen Erfahrungen mit den Themen? Habt ihr selbst schon Vorurteile erlebt?

DENIZ: Ich komme aus einer türkischen Familie. Ich selbst habe noch keine Erfahrungen in der Art gemacht, aber mein Onkel hat schon öfter einen Job nicht bekommen, weil er den türkischen Nachnamen hat. Also man bekommt es im Umfeld schon immer wieder mit. Aber selbst tatsächlich nicht so krass.

DAVE: Bei mir ist das vielleicht schon eher ein Thema. Ich bin sehr dörflich aufgewachsen und so latenter Rassismus war da immer an der Tagesordnung und gesellschaftlich akzeptiert. Ich hab selber eine Weile gebraucht, bis ich das kapiert habe und da dagegen sein konnte. Mein Vater kam als Flüchtling hierher. Das ist schon einige Jahre her, ich bin hier geboren, aber ich habe da viel mitbekommen, wie er diskriminiert wurde. Es ist ja kein Geheimnis, dass Alltagsrassismus noch immer Gang und Gebe ist und dass man auch systematisch benachteiligt wird, wenn man Migrations-Hintergrund hat. Daher ist es ein absolut wichtiges Thema. Das sieht man ja gerade wieder. Ich finde man muss auch keine persönlichen Erfahrungen haben, um sich für dieses Thema stark zu machen.

OPHELIA: In der Gesellschaft gibt es natürlich gewisse Regeln und Rollenbilder, an die viele von uns, ob freiwillig oder nicht, sich irgendwie anpassen und diese adaptieren. Inwieweit findet ihr das ok?

DAVE: Was für Rollen? Also so geschlechtsspezifische Rollen finde ich nicht gut. Patriachat finde ich auch absolut kritisch.

OPHELIA: Auch verschiedene Szenen beinhalten ja Rollenbilder. Wenn ihr jetzt zum Beispiel sagt, ihr seid Punk, dann verbindet man damit ja was.

DAVE: Da haben sich schon ganz viele andere Bands zu geäußert. Das ist auch gerade in der Punk-Szene ein ganz oft diskutiertes Thema. So die Punker-Polizei, die quasi alles verurteilt, was bisschen abweicht oder wenn man musikalisch experimentiert. Ich würde nicht sagen, dass wir die typischen Punks sind. Jetzt weder in Bezug auf die Musik noch wir als Menschen. Was auch immer man darunter verstehen möchte. In der Hinsicht sind Rollen schwierig, weil man bestimmte Erwartungen hat, die man nicht erfüllt, und Schubladen, in die man die Menschen steckt. Das funktioniert halt oft nicht.

OPHELIA: Dient es euch als Orientierung?

ALEX: Ich denke nicht, weil wir uns jetzt wie Dave gesagt hat, keiner Gruppe zugehörig fühlen. Wir spielen zwar Punk, aber es gibt noch krasseren Punk oder jetzt bei den Shirtdesigns haben wir auch gesagt, wir wollen eher was neutraleres, weil wir uns nicht in einer Gruppierung sehen.

DAVE: Also geprägt hat uns das sicher schon. Jeder hat sich in seiner Jugend umgeben mit bestimmten Menschen, unter anderem eben Punks. Aber wir sind von allem was, nicht nur Punk.

OPHELIA: Was ist das Beste, was ihr mit der Band erreichen könntet, sowohl für euch selbst, als für andere?

DENIZ: Das Beste ist natürlich, wenn viele Leute unsere Musik hören und die Message verinnerlichen und in die Welt heraustragen. Berühmt werden ist nicht die Priorität. Wenn sie die Botschaft ein bisschen raus tragen, vielleicht nochmal drüber nachdenken, bisschen kritisch hinterfragen.

DAVE: Ganz viel Leute erreichen, die ganz viel Spaß auf unseren Konzerten haben.

OPHELIA: Was würdet ihr machen, wenn jemand eure Musik geil findet, aber überhaupt nicht mit euren Einstellungen übereinstimmt?

DAVE: In unserem ersten Musikvideo hat jemand kommentiert, dass er die Musik ganz cool findet, aber die politische Einstellung nicht teilt. Also erstmal freut es einen natürlich, wenn jemand die Musik gut findet, ich persönlich kann mir das aber gar nicht vorstellen, Musik gut zu finden und zu hören, mit der ich überhaupt nicht inhaltlich klar komme. Ich kann mich da schwer reindenken.

ALEX: Wir haben eigentlich auch bewusst gesagt, dass wir deutsche Lieder schreiben, damit jeder die Lieder versteht, damit die Situation gar nicht erst entsteht. Es ist was anderes, wenn das jetzt im Englischen ist und du dir dann denkst: „Oh scheiße, um was geht es da eigentlich?“

DAVE: Wir haben eben nicht nur diese Quatsch-Lieder, sondern auch ernsthaftere Themen, wo man genau weiß, wie wir ticken. Ich hätte kein Bock, dass da Typen mit einer ganz konträren Meinung auf die Konzerte kommen.

OPHELIA: Wie agiert ihr auf Konzerten mit euren Zuschauern?

ALEX: Wie mit ganz, ganz engen Vertrauten. Wie mit ganz engen Freunden.

DAVE: Ich würde sagen, nicht anders als andere Bands, die Spaß mit ihren Zuschauern haben. Klar, gibt es mal eine Message, die wir raus hauen.

ALEX: Wir sagen immer, wir sollten mal Ansagen üben, aber bisher klappt das ganz gut spontan.

DAVE: Ich muss sagen schon sehr persönlich und auf einer intimen Ebene. Alex und Deniz haben ja beide Mikrofone und unterhalten sich, machen dann sehr spontane Witze.

OPHELIA: Glaubt ihr, das ist eine gute Art, die Menschen mitzunehmen?

ALEX: Wir hoffen es zumindest.

DAVE: Natürlich geht es um Musik, aber man kann darüber hinaus eben auch Spaß haben, wenn man nicht jedes Lied kennt oder die Texte mitsingen kann.

OPHELIA: Seid ihr euch charakterlich sehr ähnlich oder gibt es Punkte, wo ihr euch ganz stark unterscheidet?

DENIZ: Alex und ich sind uns sehr ähnlich. Wir haben den gleichen Humor.

ALEX: Es gibt auch viele, die sagen, wir sind zu zweit über längere Zeit nicht auszuhalten.

DENIZ: Und dann gibt es Leute, die kennen uns nur zu zweit, die tun mir ein bisschen leid.

ALEX: Ich würde sagen, Dave ist noch ein bisschen ernster was manche politische Meinungen betrifft. Aber er erträgt uns ganz gut.

OPHELIA: Was sind eure extremen Charakterzüge, wegen denen ihr meint, das ist schwer?

ALEX: Wir sind zwei Quatschköpfe. Und sehr schlechte Wortspiele sind unser Merkmal.

DENIZ: Das kommt nicht bei jedem an. Wir lachen dann immer ganz lautstark. Manchmal zu lautstark, aber das ist egal, ich finde es ganz witzig. Und manchmal mag ich das auch, Leute zu nerven.

OPHELIA: Welche Rolle spielt euer äußeres Auftreten, wie euch andere wahrnehmen?

ALEX: Wir haben nicht direkt Bühnenoutfits, aber wir haben uns auf gewisse Sachen festgelegt. Zum Beispiel haben wir uns bei unserem ersten Konzert irgendwie angezogen und als wir dann die Fotos gesehen haben, dachten wir: „Gut, okay... Vielleicht sollten wir irgendwie eine kleine Regel machen.“

DENIZ: Da ging es darum, dass Dave und ich das gleiche T-Shirt anhatten und Alex und ich die gleiche Hose. Das Bild hätte man so in der Mitte einmal durch schneiden können, dann wären es zwei gleiche Bilder gewesen. Seitdem gucken wir ein bisschen, was wir anhaben. Das Problem ist, dass Dave und ich die gleichen T-Shirts haben, so Feine Sahne-Shirts oder Kein Bock Auf Nazis-Shirts, wir haben den gleichen Geschmack. Daher müssen wir uns absprechen, dass wir nicht das Gleiche tragen. Und wenn doch, muss einer heimgehen und sich umziehen.

OPHELIA: Wie bereitet ihr eure Konzerte noch vor, außer dass ihr euch da absprecht?

ALEX: Wir proben, aber mittlerweile sind wir eigentlich routiniert in dem, was wir machen. Wir hatten auch eine Zeit, wo wir jedes Wochenende Konzerte hatte und da haben wir gar nicht mehr groß geprobt, weil wir gesagt haben, einmal die Woche reicht eigentlich. Also wenn wir unsere Sachen drin haben, geht es ganz gut ohne Planung.

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