• Ophelia

Irgendwann vor Heute

Der Gitarrenbauer Jakob Frank erhält einen Staatsförderpreis für seine Canna Guitar. Doch den Gitarren liegt viel Arbeit zugrunde. Wie sah sein Leben vor dem Erhalt des Preises aus?


Ein braunes Paketband, auf das mit Kuli „Canna Guitars“ geschrieben steht, kennzeichnet die Tür, aus der eben noch Radiojournalisten gingen. Welche Sendung genau, weiß Jakob Frank nicht mehr. Um sein verlegenes Grinsen spielen sich Grübchen. Er fährt sich durch die gewellten Haare. Der 32-jährige Gitarrenbauer zeigt zwei Zeitungsartikel über ihn, welche auf einem Stehtisch liegen. Und führt mich zu den ersten Varianten der Instrumente aus Hanffasern und Wasser. Das Material wird Hempstone genannt und kommt ohne künstliche Bindemittel aus. Jakob nimmt eine der Gitarren in die Hand und fährt über ihre glänzende, türkisfarbene Oberfläche und ihre runden Formen. Da Jakob bei den ersten Versuchen nicht ausreichend auf die Stabilität des Materials geachtet habe, sind die Gitarren mit Nylon- statt Stahlsaiten bezogen.

Zwischen den Ursprungsmodellen und dem Ansturm der Journalisten liegen vier Jahre. Vier Jahre, in denen Jakob durchschnittlich vierzig Stunden die Woche an seinen Gitarren gearbeitet hat.


„Ich habe mich ein bisschen versteckt, da ich nicht sicher war, ob das, was ich mache Hand und Fuß hat“, erklärt er mit langsamer, gleichmäßiger Stimme.



Wenn er zu früh an den Markt gegangen wäre, hätten die Produkte vielleicht Fehler. Irgendwann dachte er, er müsse jetzt was verkaufen. Was dazu führte, dass er eine Gitarre zurück nehmen musste, die 3 000 Euro gekostet hatte. Die hatte er längst ausgegeben - sobald etwas reinkam, investierte er es in die Gitarren.

Anfangs hatte er Ersparnisse eines Bausparvertrags von seinen Großeltern. Später unterstützen ihn seine Eltern. Jakob kratzt sich mit dem rechten Bein an der linken Wade, sodass er einen Moment etwas wacklig steht und fährt mit der Hand über den blonden Vollbart. Sein Kleidungsstil ist ähnlich unauffällig wie seine Art, zu sprechen: Schwarzes T-Shirt, lange Hose.




Seine Eltern verstanden die künstlerische Tätigkeit und inspirierten ihn bei seiner Arbeit. Seine Mutter arbeitete als Schmuckdesignerin, sein Vater als Goldschmid, erzählt Jakob weiter. Er selbst machte an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim seinen Bachelor, bei dem die Idee der Gitarren entstand.


Er habe anschließend überlegt, einen normalen Job zu machen und die Gitarren nur nebenher, aber dafür beanspruchte die Arbeit mit den Gitarren zu viel Zeit.

Immerhin, seine erste Gitarre brauchte 150 Stunden, mittlerweile sind es rund fünfzig. Gerade verbringt Jakob nur etwa zwei Stunden die Woche in der Werkstadt, den Rest verbringt er mit Interviews oder ähnlichem. Des Weiteren hat er seine Homepage erneuert. Foto-Sessions dauern je einen Tag. „Das ist ein Haufen Arbeit, den die Leute nicht sehen.“ Wieder fährt sich Jakob durch die Haare, lehnt sich an der Werkstattbank an, die von der Hochschule ausrangiert wurde und dann hier landete. Regale sowie Stereoanlage baute Jakob selbst. Urlaub und kleine Reparaturen an der Stereoanlage ordnet Jakob dem Gitarrenbau zeitlich unter. Auf der Werkstattbank liegt ein halb angefertigter Gitarrenkorpus in seinen Einzelteilen. Die Sonnenstrahlen, die durch die großen Scheiben in die Werkstatt fallen, lassen das Holz noch mehr glänzen. In einem Schraubstock steckt ein Gitarrenhals. Behutsam öffnet Jakob eine Box, in der er ein Stück Stoff aufbewahrt, tröpfelt Öl drauf und führt vor, wie er das Material poliert.

Die größte Herausforderung bestehe darin, die Gitarren an den Markt zu bringen, meint er. Instagram und YouTube sind Möglichkeiten, Gitarristen auf ihn aufmerksam zu machen. Wenn er Glück hat, findet er so Unterstützung von Profilen mit hoher Reichweite. Durch Videos, in denen er sich und seine Instrumente zeigt, baue er Vertrauen auf. „Das ist wichtig, um die Leute von meinen Produkten zu überzeugen. Da ist auch der Preis eine große Hilfe, da er etwas über mich aussagt, die Leute sehen, dass die Gitarren Potenzial haben.“


Der Preis ist auch der Grund für den Ansturm der Journalisten.

Von 110 Bewerbern für den „Staatspreis Gestaltung und Kunst 2020“ erhielt Jakob einen der zwei Förderpreise.

Potenzial haben die Gitarren vor allem, weil sie sich anders spielen lassen. „Play different“, lautet die Tagline. „Viele kaufen sich eine Gitarre und sind nach kurzer Zeit unzufrieden. Da habe ich mich gefragt, warum, da ich glaube, dass es an mehr als nur dem Klang liegt.“ Er habe auch einfach eine Gitarre bauen können, bei der Hanf mit anderen Materialien verarbeitet ist, und das als Marketing verwenden können. Das hätte vielleicht gereicht. Aber Jakob Frank habe etwas eigenes gewollt, mit dem er sich vom Markt abhebt. Vier Jahre änderte er immer wieder die einzelnen Schablonen, fügte ein Bauteil hinzu oder probierte verschiedene Lackierungen. Nun hat er eine Gitarre entwickelt, die in Form, Handhabung und Klang einzigartig ist. Gitarre zu spielen müsse, ist er überzeugt, schließlich inspirieren.


Mehr über die Canna Guitars auf cannaguitars.com

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